Digitale TransformationInnovationStandpunkt

Transformation heißt Veränderung

Im zweiten Teil unserer Begriffsklärung stellen wir unser Verständnis der „Digitalen Transformation“ vor. Studien zeigen, dass deutsche Unternehmen eher Verbesserungen bestehender Prozesse als echte Veränderungen von Produkten oder Geschäftsmodellen erwarten. Damit bleibt die Wertschöpfung im Bereich der Digitalisierung und damit hinter dem Nutzenpotential echter Transformation zurück. Ein Blick auf die Zahlen offenbart das Missverständnis.

So haben in einer IDC-Umfrage die Hälfte der befragten Unternehmen angegeben, sie wollen mit neuer Technologie vor allem effizientere Prozesse erreichen. Rund 45% nannten kostengünstigere Betriebsabläufe als Ziel. Geringere Ausfallzeiten sahen 35% der Befragten als möglich an. In allen Beispielen geht es nicht um Veränderung, sondern um Verbesserung. Erst am unteren Ende des Spektrums bei ca. 25% nannten die Unternehmen innovative Produkte und neue Geschäftsmodelle. IDC befindet, diese Punkte „müssen stärker gewichtet werden“.

Auch wir sehen hier das wirklich spannende Potential und die Chance, sich vom Wettbewerb abzuheben. Verallgemeinernd lässt sich sagen, Digitalisierung dient der Kostensenkung, währen Digitale Transformation neue Einnahmemöglichkeiten erschließt. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass an der Digitalisierung kein Weg vorbei führt; d.h. Ihre Mitbewerber werden digitalisieren, damit Kosten senken, also müssen Sie das ebenfalls machen. Sie können keinen Wettbewerbsvorteil gewinnen, lediglich einen Nachteil entstehen lassen.

Die Digitale Transformation ist hingegen häufig schwieriger zu erreichen. Eventuell muss man dazu kreativ sein, Ideen entwickeln, alte Zöpfe abschneiden und neues Terrain betreten. Was das konkret bedeuten kann, kann man von anderen lernen.

Wie man es nicht macht, hat die Musikindustrie in den 2000er Jahren gezeigt. Ein Festhalten an etablierten Strukturen (Verträge, Vertrieb, Medien) hat zum Aufkommen von (zum Teil illegalen) Alternativen wie Napster geführt. Die Reaktion war eine juristische, keine Produkt- oder Geschäftsinnovation. In der Folge haben sich neue Player am Markt etabliert (z.B. Download bei iTunes, Streaming bei Spotify).

Im Umfeld dieser Branche finden sich aber auch positive Beispiele, etwas Sonos. Just in dem Jahr, als Napster seinen Bankrott erklärte, wurde Sonos gegründet. Seit 2002 stellt Sonos u.a. kabellose Geräte zur Wiedergabe von Streaming-Musik her. Etablierte Anbieter von Hifi-Geräten haben diesen Markt lange gemieden, und Sonos wurde so zum Marktführer. In einem kommenden Beitrag schauen wir uns das Beispiel Sonos genauer an.

Weitere Erfolgsgeschichten finden sich bei so verschiedenen Unternehmen wie Klöckner, Lego oder Moo. Nicht alle davon sind neu.

Lego hat schon vor Jahren eine Stiftungsprofessur am MIT begründet. Ein bekanntes Ergebnis dieser Forschungsaktivitäten sind die Lego Mindstorms-Produkte. Der Name geht auf ein Buch des ersten Lego-Professors, Seymour Papert, zurück. Derzeitiger Lehrstuhlinhaber ist Mitch Resnick, der sich mit dem Titel „LEGO Papert Professor of Learning Research and head of the Lifelong Kindergarten group at the MIT Media Lab“ schmücken darf. Lego hat mit dieser Zusammenarbeit eine Produkt-Transformation erreicht, die die klassischen „Bauklötze“ mit dem Computer verbindet.

Moo ist eine Online-Druckerei, die für ihre Visitenkarten bekannt ist. Erst kürzlich haben wir über ihre digitale Visitenkarte berichtet. Die Transformation besteht darin, dass ich als Kunde nach dem Druck der Karte an die Druckerei gebunden bleibe, weil ich dort meine Daten über die Nutzung der Visitenkarte einsehen kann.

Klöckner ist ein Stahlhandelsunternehmen, das jüngst häufig als Beispiel für erfolgreiche Digitalisierung genannt wird. Jedoch handelt es sich bei Klöckner um weit mehr als nur Digitalisierung. Klöckner betreibt eine neue Handelsplattform für Stahl, an die auch die Wettbewerber von Klöckner angeschlossen sind. Auf die Frage, wohin sich dieses Geschäft entwickeln kann, antwortete der Klöckner-CEO Rühl auf einer DIHK-Konferenz in Berlin, es sei nicht ausgeschlossen, dass man den Stahlhandel aufgebe und statt dessen einen solchen Marktplatz betreibe. Auch wenn Klöckner vermutlich weit von einem solchen Schritt entfernt ist, halte ich es für außerordentlich sinnvoll, derartig konsequente Schritte nicht auszuschließen.

Viele Unternehmen, die auf eine lange Geschichte zurückblicken können, haben ihr Leistungsangebot aus heutiger Sicht radikal verändert. Das digitale Zeitalter bietet dafür sehr viele Chancen. Der Grundstein muss schnell gelegt werden, weil die Innovation des Wettbewerbs u.U. erst zu spät erkannt werden kann. Sonos hat ab 2002 an der Marktführerschaft eines Marktes gearbeitet, den es noch gar nicht gab. Kein Wunder, dass die damaligen Marktführer mehr als ein Jahrzehnt verschlafen haben.

Der Innovationstreiber in allen genannten Fällen ist IT und Software als gestaltendes Element. Die Fähigkeit, Software entwickeln zu können, wird so zu einem strategischen Vorteil. Kutura verschafft Ihnen diesen Vorteil. Sprechen Sie uns jetzt an.