Cooking

Stellenausschreibung: Salat-Programmierer

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Hat Ihnen der Salat geschmeckt, den Sie heute Mittag aßen? Ja? Wenn Sie sich bei allen Menschen bedanken könnten, die dazu beigetragen haben, dass Ihnen Ihr Salat schmeckt, welche Menschen wären das? Ein Koch, ein Landwirt, ein Transporteur? Kommt in Ihrer Aufstellung ein Software-Entwickler vor? Nein? – Das könnte sich in Zukunft ändern, erst recht, wenn Sie Vielfalt auf dem Teller wünschen.

Begriffe wie „Vertical Farming„, „Indoor Farming“ oder „Urban Farming“ kursieren seit einigen Jahren und sind mittlerweile Realität oder zumindest Vision einer sehr nahen Zukunft. Erst in dieser Woche hat die Tagesschau über das Hamburger Start-up Farmer Cut berichtet, das in Hamburg Gemüse im Vertical Farming anbauen will.

 

 

Dass solche Ideen die Unterstützung durch Software-Entwicklung gebrauchen können, liegt nicht auf der Hand. Doch ein Projekt des Massachusetts Institute of Technology (MIT) verbindet beide Welten.

Das MIT ist als amerikanische Elite-Uni in vielen Fachbereichen bekannt. Wer sich für Computer Science und Medien interessiert kennt auch das MIT Media Lab. Mit Landwirtschaft bringt man diese renommierte Institution bislang nicht in Verbindung. Das könnte sich durch das Projekt „Open Agriculture“ ändern – „open“ wie in „open source“. Soll heißen: Alles, was dort entwickelt wird, steht jedermann zum kostenlosen Nachbauen zur Verfügung. Die Mission des Projekts liest sich auf der Webseite wie folgt:

An open source ecosystem of food technologies to create healthier, more engaging and more inventive food systems. Grow local, from anywhere.

Der Initiator des Projekts, Caleb Harper, erklärt in einem Ted-Vortrag worum es geht:

 

Sein Vortrag besitzt viele bemerkenswerte Aspekte – vom Klima bis zu Globalisierung –, aber einer hat mich besonders überrascht: Harper spricht darüber, dass die Landwirtschaft keine Anziehungskraft auf junge Menschen ausübt; und zwar weltweit, von Japan, über die USA bis zu Afrika und Indien. Ganz anders: Die Anziehungskraft, die Computertechnik auf junge Menschen ausübt. Und wenn man IT und Pflanzen zusammenbringt?

What happens when you have an image-based processing expert, a data scientist, a roboticist, ripping roots off and thinking, „Huh. I know something about — I could make this happen, I want to try.“

Was als Spieltrieb begonnen hat, ergibt durchaus Sinn. Die Steuerung der Indoor-Farming-Systeme erfordert Software. Software, die es sogar erlaubt, den Geschmack der Pflanzen über die programmierte Zuführung von Nährstoffen zu steuern.

We have IP-addressable broccoli.

Neben den großen Systemen, die Harper in seinem Vortrag zeigt, findet man auf der Webseite auch eine Anleitung, um einen „Personal Food Computer“ zu bauen. Alles, was software-seitig nötig ist, findet sich bei GitHub. GitHub ist eine Plattform für die Zusammenarbeit von Software-Entwicklern. Für Open Agriculture steht dort Quellcode für die hardware-nahen Systemkomponenten (C++, Eagle), der Benutzerschnittstelle (JavaScript) und weiterer Module (Python) zur Verfügung.

Darüber hinaus gibt es bereits Anwender, die über die Welt verteilt sind. Eine Karte zeigt die Standorte der „Nerd Farmers“. Harpers Vision: Wir transportieren nicht mehr Lebensmittel über weite Strecken, sondern nur noch „Klima-Rezepte“ („Wachstumsanleitungen“), die uns erlauben, „mexikanische“ Erdbeeren oder „südafrikanischen“ Salat an jedem Ort der Welt wachsen zu lassen. Jedes Rezept enthält die spezifischen Informationen darüber, wann das Gemüse welche Nährstoffe in welcher Menge erfordert.

Harpers Projekt steht zum Zeitpunkt des Vortrags (Dezember 2015) nach seiner eigenen Aussage noch am Anfang. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht deutlich verstanden habe, wo sein Fokus liegt. Will er Vertical Farming als Ergänzung oder gar Alternative zur konventionellen Agrarwirtschaft etablieren? Oder möchte er seine Personal Food Computer u.a. in Schulen zu Lehrzwecken verbreiten, um die Jugend für Lebensmittel und Landwirtschaft zu begeistern?

In jedem Fall zeigt er, dass Software-Entwicklung auch in Land- und Nahrungsmittelwirtschaft ein Innovationstreiber sein kann.

Es ist nicht schwer, sich weitere Einsatzmöglichkeiten vorzustellen. Die Firmenkantine, die noch frischer und abwechslungsreicher kochen will, braucht vielleicht bald einen Salat-Programmierer. Oder die Airline, die Ihren Fluggästen schmackhaftere Speisen anbieten will, setzt auf software-gesteuerten Geschmack ihres Gemüses, um die veränderte Geschmackswahrnehmung während des Flugs zu kompensieren. Klingt nach Details und nicht entscheidend? Nun, unsere Welt ist voll mit Produkten, die anfangs nicht notwendig erschienen und dennoch heute unverzichtbar sind. Die beschriebenen Techniken sorgen bereits durch die dezentrale Produktion und die damit veränderte Liefer- und Logistikkette für echte Mehrwerte, die Märkte verändern können. Die Steuerung des Geschmacks, die Produktion von seltenen und alten Sorten und all die anderen Eigenschaften, die Harper beschreibt, sind „nur“ das i-Tüpfelchen.

 

 

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